• Ich hoffe, dass es noch kein ähnliches Thema gibt.
    Ich schreib hier im WdWb, weil ich eine ERNSTHAFTE Diskussion initiieren möchte:


    In der Schule werden ja gerne Gedichte besprochen und dabei behaupten die Lehrer steif und fest, dass jede Unregelmäßigkeit im Metrum Satzbau oder Reim gewollt vom Autor so gesetzt wurde, um etwas besonders hervorzuheben.
    Ich persönlich bin davon jedoch absolut n ich überzeugt.
    Ich glaube, dass bei ALLEN Gedichten viel zu viel reininterpretiert wird!
    Was haltet ihr von dieser Aussage?

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere


  • Das ist Ansichtssache - Ich war in der Schulzeit der gleichen Ansicht, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Autor DAS wirklich noch sagen wollte und dass dieses eine Komma gleich soviel ausmacht, aber seitdem ich mich selber intensiver mit Lyrik, Poesie und der Sprache beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, wie stark die Wirkung einzelner Teile unserer Sprache sein kann.


    Schön wäre ein Beispielgedicht, in das du vielleicht zu viel interpretiert siehst!

    Moderating since 2005.



    Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte überhaupt erst genießbar macht.
    Johann Wolfgang von Goethe
    28.08.1749 - 22.03.1832
    dt. Schriftsteller

  • Kommt mir auch oft so vor. Wir haben im Moment in Deutsch Gedichte, da muss für die Lehrerin immer alles irgendwas bedeuten, auch wenn es imho oft nicht so ist.


    Wobei der Satzbau auch oft wichtige Sachen hervorheben kann. Es gibt solche und solche Gedichte. Jeder solls interpretieren wie ers für richtig hält.

    Einmal editiert, zuletzt von dns ()

  • Als spontanes Beispiel fällt mir leider nur ein Charakter aus dem Fragment "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (Thomas Mann)
    [Ist zwar kein Gedicht aber des sollten wir eventuell ausweiten]
    Doktor Kuckuck: Meine Lehrerin (auch Lateinlehrerin) ist davon überzeugt, dass Mann den Namen bewusst gewählt hat, da Felix( felicitas-das Glück) ,ebenfalls gewollt dieser Name, Hermes ähnelt(ok des hat Mann in nem Brief selbst gesagt)und dieser direkt in Verwandschaft zu Zeus, welcher sich auf dem Kuckucksberg mit Hera vereinigt hat, steht.
    Ich finde jedoch, dass dies überinterpretiert ist,begünstigt auch durch die Begeisterung meiner Lehrerin für die Antike.

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

  • Nein ist auf jeden Fall so, sicher kann nicht jedes Gedicht interpretiert werden, die meisten Gedichte sind zu trivial, die haben keine "versteckte" Botschaft oder einen tieferen Sinn, aber wirklich gute Gedichte können immer interpretiert werden oder glaubst du vielleicht das ist alles Zufall?
    Natürlich hat Mann den Namen in diesem Gedicht bewusst gewählt, um der Geschichte mehr Sinn zu verleihen.

  • Ich teile deine Meinung zwar nicht, dass Literatur überinterpretiert wird, stelle aber bei uns an der Schule selbst fest, dass Lehrer auch nur Menschen sind und auch mal etwas falsch interpretieren:
    So war es neulich im Deutschunterricht, als wir einen Satz aus "Die Räuber" von Schiller behandelten in dem es hieß "wer seinen Knechten hudelt".
    Unser Lehrer meinte "hudeln" bedeute einschmeicheln und erzählte uns lang und breit, was Schiller uns damit sagen wollte.
    Ich habe dann allerdings "hudeln" in den Wortangaben am Ende des Buches nachgeschlagen, mich gemeldet und gesagt, dass "hudeln" schlecht behandeln heißt, worauf die Interpretation meines Lehrers natürlich völliger Blödsinn war^^


    MFG Halber

    Der Hookah-Song: "Smoke on the Water" ;)

  • Zitat

    Original von Thorhimself
    Nein ist auf jeden Fall so, sicher kann nicht jedes Gedicht interpretiert werden, die meisten Gedichte sind zu trivial, die haben keine "versteckte" Botschaft oder einen tieferen Sinn, aber wirklich gute Gedichte können immer interpretiert werden oder glaubst du vielleicht das ist alles Zufall?
    Natürlich hat Mann den Namen in diesem Gedicht bewusst gewählt, um der Geschichte mehr Sinn zu verleihen.


    Ich such heute Abend noch ein treffendes Beispiel , hab nur leider nicht so viel Zeit, weil am Freitag Facharbeitsabgage ist.


    Besonders interessant finde ich die Metrik.Hier glaube ich sind die größten Fehlinterpretationen möglich!

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

  • Es ist faszinierend, wie (etwa meine Mit)Schüler immer wieder meinen, in Gedichte würde zu viel hineininterpretiert. Man kann doch nicht wirklich glauben, dass ein Goethe sich hinsetzt und in fünf Minuten so ein Gedicht runterschreibt, weil ihm das einfach so zufällt.


    Man kann es ja einfach mal selbst versuchen, dann merkt man ganz schnell, wie viel Arbeit es ist, alles stimmig zu halten und trotzdem nicht ins Banale abzurutschen, sprachlich hochwertig, ohne sich dabei zu verheddern, ohne das Reimschema zu zerstören und falsche Interpretationen möglich zu machen.

  • Zitat

    Original von WuaccaWuacca
    Es ist faszinierend, wie (etwa meine Mit)Schüler immer wieder meinen, in Gedichte würde zu viel hineininterpretiert. Man kann doch nicht wirklich glauben, dass ein Goethe sich hinsetzt und in fünf Minuten so ein Gedicht runterschreibt, weil ihm das einfach so zufällt.


    Man kann es ja einfach mal selbst versuchen, dann merkt man ganz schnell, wie viel Arbeit es ist, alles stimmig zu halten und trotzdem nicht ins Banale abzurutschen, sprachlich hochwertig, ohne sich dabei zu verheddern, ohne das Reimschema zu zerstören und falsche Interpretationen möglich zu machen.


    Ich schreib dir heute Abend hier ein Gedicht rein
    und du sagst mir dann bitte ob es von mir geschrieben wurde oder von einem "echten Dichter"

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

  • Zitat

    Original von Smokebuster


    Ich such heute Abend noch ein treffendes Beispiel , hab nur leider nicht so viel Zeit, weil am Freitag Facharbeitsabgage ist.


    Besonders interessant finde ich die Metrik.Hier glaube ich sind die größten Fehlinterpretationen möglich!


    Fehlinterpretation ist aber was völlig anderes wie "Überinterpretation".


    Gerade das ist für mich der Beweis, dass in einem Gedicht noch so jeder kleine Furz eine Bedeutung hat. Es ist einfach unmöglich, dass Form und Inhalt stimmig sind, dass über die Form inhaltliche Zusammenhänge oder Aussagen verdeutlicht werden.
    Ich mein offensichtlicher gehts doch gar nicht, jedes noch so kleine Detail stimmt bei guten Dichtern.


    Zitat

    Ich schreib dir heute Abend hier ein Gedicht rein
    und du sagst mir dann bitte ob es von mir geschrieben wurde oder von einem "echten Dichter"


    Auch echte Dichter haben triviale Gedichte geschrieben, so ists nicht, du solltest schon ein Gedicht reinposten, dass du für "überinterpretiert" hältst.

  • Aber wenn du nem Deutschlehrer ein Gedicht gibts , das er noch nicht kennt und auch nicht weiß von wem, so wird er dennoch ewig viel reininterprtieren können!
    Fehlinterpretationen hängen eng mit Überinterpretationen zusammen, wenn jemand zwangsweise versucht so viel wie möglich in ein Gedicht reinzuinterpretieren so MUSS er praktisch Fehler machen!

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

  • Zitat

    Original von Smokebuster
    Aber wenn du nem Deutschlehrer ein Gedicht gibts , das er noch nicht kennt und auch nicht weiß von wem, so wird er dennoch ewig viel reininterprtieren können!
    Fehlinterpretationen hängen eng mit Überinterpretationen zusammen, wenn jemand zwangsweise versucht so viel wie möglich in ein Gedicht reinzuinterpretieren so MUSS er praktisch Fehler machen!


    Nein ein Gedicht ist in der Regel nicht dazu geschrieben, dass eine mustergültige, feststehende Interpretation entwickelt wird, nicht umsonst halten die meisten Lyriker ihre Gedichte sehr abstrakt. Sie sollen ja Menschen in vielen verschiedenen Situationen des Lebens "helfen".

  • Zitat

    Original von Thorhimself


    Nein ein Gedicht ist in der Regel nicht dazu geschrieben, dass eine mustergültige, feststehende Interpretation entwickelt wird, nicht umsonst halten die meisten Lyriker ihre Gedichte sehr abstrakt. Sie sollen ja Menschen in vielen verschiedenen Situationen des Lebens "helfen".


    Hier schreibst du selbst, dass die Interpretation einen Gewissen Freiheitsgrad hat.
    Diesen Grad benutz einjeder anders, er ist subjektiv, damit kann ein Lehrer nicht sagen ,dass er eine 100% richtige Interpretion vorträgt!

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

  • Hahahaha. Das ist purer Müll und sicher von keinem 'echten Dichter'. Zu interpretieren ist hier auch nicht so viel.

  • Natürlich gibt es keine allgemeingültige Interpretation (obwohl eine in der Regel sehr viel wahrscheinlicher ist als alle anderen) das ist aber auch nicht das, was du anfangs beschrieben hast. Eine Überinterpretation ist, wenn man Sätze oder Wörter interpretiert, die nicht interpretiert werden sollen, das existiert aber in keinem Gedicht, jeder Vers mus betrachtet werden, um eine vollständige Interpretation zu erhalten, wenn einzelne Verse innerhalb einer Interpretation absolut keinen Sinn ergeben, kann man davon ausgehen, dass die Interpretation falsch ist (oder dass sich einem der Sinn auf Grund von mangelndem Wissen nicht erschließt).


    Na ja vollständiger Müll ist das sicher nicht Wuacca, vermutlich hat der Dichter auf diesem Weg Gefühle verarbeitet, also ist es kein "Müll", es dient ja einem Zweck.


    Es ist aber ganz sicher nicht dazu geschrieben worden großartig interpretiert zu werden und ein Goethe war der Dichter sicher auch nicht.

  • Zitat

    Original von WuaccaWuacca

    Hahahaha. Das ist purer Müll und sicher von keinem 'echten Dichter'. Zu interpretieren ist hier auch nicht so viel.


    Hat ein 14-jähriges Mädchen geschrieben.
    Naja stochastik wars ja günstig für dich:P


    Noch eins:


    Über den schwarzen Winkel hasten
    Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
    Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
    Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.


    O wie sie die braune Stille hören,
    In der ein Acker sich verzückt,
    Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,
    und manchmal kann man sie keifen hören.


    Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
    und plötzlich richten nach Nord sie den Flug
    Und schwinden wie ein Leichenzug
    In Lüften, die von Wollust zittern.


    Wie schauts mit dem aus? (ok google findet des schon mit einer zeile:) )


    das hier: Ein blauer Augenblick ist nur die Seele
    Am Waldsaum zeigt sich ein scheues Wild und friedlich
    Ruhn im Grund die alten Glocken und finsteren Weiler

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

    Einmal editiert, zuletzt von Smokebuster ()

  • Ich weiß nicht, ob's von nem 'echten Dichter' (Was auch immer das heißen soll) ist, aber es ist auf jeden Fall zu interpretieren, wobei sich dabei natürlich auch herausstellen könnte, dass es nur so dahingeschrieben ist (Man kann schließlich auch einfach irgendwelche Bilder aneinanderreihen). Irgendwie scheint's mir jetzt nicht ganz stimmig zu sein, aber ich würd's auf jeden Fall als 'echt' einstufen.


    Edit: Das zweite... ähm. Das ist kein Gedicht.

  • Zitat

    Original von WuaccaWuacca
    Ich weiß nicht, ob's von nem 'echten Dichter' (Was auch immer das heißen soll) ist, aber es ist auf jeden Fall zu interpretieren, wobei sich dabei natürlich auch herausstellen könnte, dass es nur so dahingeschrieben ist (Man kann schließlich auch einfach irgendwelche Bilder aneinanderreihen). Irgendwie scheint's mir jetzt nicht ganz stimmig zu sein, aber ich würd's auf jeden Fall als 'echt' einstufen.


    siehst du du kannst es nicht sagen obs von nem Gymnasiasten ist oder wie des davor von Georg Trakl.
    Ich glaub des hier ist ne sinnlose Diskussion, schon allein weil ich im Anfangspost zu radikal geschrieben hab ,dass in alle Gedichte zuviel reininterpretiert wird.
    Ich selbst glaube auch ,dass viele Dichter , v.a. jene die ewig an so nem Stück schreiben, sich ausreichend Gedanken zu dem Gedicht, zu der verdichteten Sprache, machen.


    ABER: Z.B. eine Ellipse kann doch nicht immer als Verdeutlichung des Inhalts akzeptiert werden. Ein Gedicht ist eine Verdichtung der Sprache unwichtiges wird schon dem Namen nach weggelassen.Wieso sollte also eine Ellipse ein so besonderes Stilmittel sein?

    Wie? Du kennst die Achse des Blöden nicht?



    Shisha Laden > Alles Andere

  • Das zweite ist eine Strophe eines Gedichtes, findet man über Google auch leicht und natürlich erkennt man den Unterschied zu einem Gedicht von nem 14jährigen Mädchen.


    Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, was du mit dem Rätselraten bezweckst!?



    Zitat

    ABER: Z.B. eine Ellipse kann doch nicht immer als Verdeutlichung des Inhalts akzeptiert werden. Ein Gedicht ist eine Verdichtung der Sprache unwichtiges wird schon dem Namen nach weggelassen.Wieso sollte also eine Ellipse ein so besonderes Stilmittel sein?


    Weil kein Dichter eine Ellipse verwenden würde, hätte sie keinen Sinn!