Hm...
Meine Meinung ist Folgende:
Wenn man mit teuren Softwareprodukten umgehen lernen will, muss man sie nach jetztiger Gesetzgebung kaufen. Das pisst mich etwas an, weil mir zum Lernen die 30 Tage Demo nicht ausreichen, und mir das Geld für die Vollversion einfach fehlt. Natürlich gibt es Schülerversionen, die kosten mir auch zu viel.
Für die Geschichte mit der Software wäre meine Lösung folgende: Die jeweiligen Flaggschiff-Produkte (Photoshop, Flash, Audition, Dreamweaver) sollten entweder kostenlos oder für wenig Geld in minimal abgespeckten FuL (Forschung und Lehre) Versionen erhältlich sein, damit Jeder die Teile zwecks Selbststudium benutzen kann und nicht die Vollversion kaufen muss.
Mit Musik sehe ich das nicht ganz so eng. Ein Künstler schuftet im Normalfall unermüdlich, bis er ein neues Album zusammenbekommen hat, und er braucht wie jeder andere Mensch auch Geld zum Leben, deswegen kosten CDs Geld. Das Label trägt das finanzielle Risiko, falls eine Platte ein Misserfolg wird, und dafür sollen sie von mir aus auch was vom Kuchen abhaben. Nur der Käufer kommt IMO bei dieser Rechnung zu kurz. Wir, die Konsumenten sollen fleißig CDs kaufen, bekommen aber nicht wirklich Gelegenheit, vorher reinzuhören, wenn man mal von diversen 20-Sekunden-Snippets bei Amazon o.ä. absieht. Ich will nunmal keine CD kaufen, ohne zu wissen, ob sie abgesehen von dem Song, der im Radio läuft, scheiße ist. Großartige Fehlkäufe kann ich mir nicht leisten.
Gut, für diesen Konflikt gibt es im Prinzip keine Lösung, für die man sich als Konsument nicht aus dem Haus bewegen muss. Meiner Meinung nach sollte es wieder mehr "Plattenläden" geben, wo man unverbindlich in ein wirklich breites Spektrum an Musik "reinschnuppern" kann. Bei Mediamarkt & Co. ist das schon mal ein Anfang, aber da sind nunmal ca. 2% der Platten, die mich interessieren, vorrätig. Generell haben es Alle, deren Hörpräferenzen sich nicht mit den Charts decken, sehr schwer, kostenlos Musik zu "testen", ohne sich strafbar zu machen.
Vielleicht noch eine kleine Anmerkung zur Musik im Allgemeinen:
Dass gerade Musik so viel getauscht und raubkopiert wird, liegt meiner Meinung nach daran, dass sich die Einstellung zur Musik seit der Erfindung des MP3-Codecs grundlegend geändert hat. Musik wird sehr oft losgelöst vom Künstler betrachtet, woran der Radio, der sich in den letzten 20-30 Jahren vom Unterhaltungsmedium zur Berieselungsmaschine gewandelt hat, sicher nicht unschuldig ist. Und genau da liegt der Hund begraben: "Hm. Das Lied kenn ich, das läuft oft im Radio, ich finds ganz gut, aber frag ich jetzt nicht, wie das heißt, oder von wem das ist". Wenn ich ein Stück ganz klar einem Künstler zuordnen kann, fällt es mir leichter, etwas zu finden, was meinen Hörpräferenzen entspricht, und dann mascht es mir auch nicht so viel aus, eine Platte zu kaufen, von der ich nicht weiß, was drauf ist. Der nächste Grund für meine Plattenkauf-Hemmschwelle ist Folgendes: Ich kenne sehr sehr viele Bands, die 2-3 gute Platten produzieren, damit reich werden, ne lange Pause machen und dann nur noch Müll machen. Ich habe einfach kein Vertrauen mehr in Künstler: Sobald es ihre Platten als Remasterings zu kaufen gibt, kommt von denen nichts gescheites mehr. Ich habe also beinahe völlige Gewissheit, dass die neue Platte schlechter wird als die alte. Warum soll ich sie mir dann kaufen?
Back To Topic:
Das hohe Strafmaß für Raubkopierer finde ich nicht gerechtfertigt, zumindest in den Fällen, in denen Raubkopien ausschließlich privat eingesetzt wurden. Bei der kommerziellen Verwendung ist das etwas anderes, weil der Hersteller der software um "hartes" Geld beschissen wurde, was bei der privaten Verwendung nicht der Fall ist. Wenn ausschließlich private Nutzung vorliegt, fände ich es angemessen, nur ein Bußgeld und Nachzahlung von Lizenzgebühren an den Urheber zu verhängen.
€dit: In letzter Zeit entwickelt sich die OpenSource-Community prächtig. Wer also gute Software kostenlos möchte, braucht sich bloß mal im Netz umsehen. Positiv finde ich auch die Ansätze von Borland: Delphi 7 gibt es als PersonalEdition (keine kommerzielle Nutzung erlaubt) kostenlos. Na also, das geht doch.
Das Angebot an freien Filmen und freier Musik ist im übrigen auch sehr im Wachstum begriffen: Sucht einfach mal bei google nach CreativeCommons, bei den Resultaten dürfte sich einiges für fast jeden Musikgeschmack finden.
so long
.r4f