Beiträge von Rattig

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    Fakt ist, dass jemand öffentlich zugegeben hat im Rahmen von Diskussionen Menschen anzugreifen


    Da verstehst du glaub ich was falsch. Cippo hat nur darauf verwiesen, dass die Diskussionskultur in Deutschland und weiten Teilen Europas eine recht offensive ist. Kritik wird nicht versteckt rübergebracht, sondern offen dem Gegenüber entgegengeschleudert. Das kann manchmal persönlich rüberkommen, ist aber meistens nicht so gemeint. (Sonst könnte sich das halbe Forum schon nicht mehr vernünftig miteinander unterhalten.)
    Also nicht beleidigt sein, nur weil jemand anfängt direkt kritische Punkte anzuzeigen und dich darauf anzusprechen.


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    Ich finde Untreue unmenschlich, weil sie Menschen dazu verleitet Böses zu tun.


    Ich persönlich finde die Auffassung unmenschlich in dem Sinne, dass sie ein Menschenbild hat, welches auf keinen Menschen zutrifft. Der Mensch ist gut UND böse zugleich. Und ob fremdgehen wirklich böse ist, oder vielleicht sogar eine recht "natürliche" Verhaltensweise ist, müsste auch erst einmal geklärt werden.
    Zwar kann Treue als Ideal gelten, aber sie darf nicht normativ sein in dem Sinne, dass untreue Menschen ihrer Menschlichkeit beraubt werden.

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    Also du bestätigst, dass Christen keine wirklichen Christen sind, sondern Heiden.


    Sorry mein Fehler. Bei mir ging der Unterschied nicht auf Heide vs. Christ, sondern auf die Unterscheidung Jude vs. Heide.
    Das Christentum ist halt die "Kirche aus Juden und Heiden" (Röm 9-11). Die Frage, ob Heidenchristen die Gebote des Judentums halten müssen, ist schon zu den Anfängen eine Frage gewesen und sie wurde auf dem Apostelkonvent verneint. Die Heidenmission beinhaltet eben nicht den Übertritt zum Judentum und das Halten der Gesetze. In dem Sinne meinte ich, dass Christen "Heiden" sind.

    Für mich steht das Leben des Propheten in seiner Praxis im Mittelpunkt, da uns dies auch gelehrt wird.


    Man muss aber schon zwischen persönlichen Glauben und institutioneller Religion unterscheiden. Diese beiden Dinge stehen nicht immer Seite an Seite, sondern können entgegenlaufen. Ich stehe mit meinem Glauben auch hier und da gegen die Theologie meiner Kirche und gegen die Theologie von anderen. Man trifft in der Sphäre seines persönlichen Glaubens eh oft Entscheidungen, was man annimmt und was nicht. Viele Christen essen auch Blutwurst, obwohl das Verbot, Blut zu sich zu nehmen, eindeutig auch im NT aufgenommen wird.




    (Hab in meinen vorherigen Post noch was reineditiert, nicht dass das noch untergeht. ;))


    Jetzt wird es wirklich absurd...auspeitschen und steinigen?


    Ist es das nicht schon zu einem gewissen Teil seit geraumer Zeit?


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    Im Christentum wird die Steinigung erlaubt, streite es nicht ab.


    Nein ist es nicht, du hast die Stelle genannt, die diese Sache in Frage stellt.


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    Mir wird gerade bei solch einer Doppelmoral mehr als schlecht...


    Ist keine Doppelmoral. Jesus stellt das Gesetz, welches du aus Leviticus zitierst, mit seiner Handlung in Frage. Solches in Frage stellen von Geboten haben wir in der Bibel in Massen. Und ist eigentlich typische jüdische Tradition.


    Das liegt nicht nur daran, dass die Bibel zweigeteilt ist in ein Altes Testament, welches zum Großteil mit der jüdischen Bibel identisch ist, und einem Neuen Testament. Aber auch das Alte Testament stellt sich immer wieder in Frage. Man kann es so ausdrücken, dass die Bibel mit sich selber im Dialog steht und immer wieder Probleme aufzeigt und kritisiert.


    Ein anderer Punkt, warum im Christentum keine Frauen gesteinigt werden (und meines Wissens auch nicht wurden, aber da bin ich mir gerade ziemlich unsicher, ob es Fälle von Steinigungen wegen Ehebruchs gab) ist die Art und Weise der Anerkennung der Schrift. Islam ist sehr stark schriftfixiert. Der Koran steht in der Mitte des Glaubens (deswegen sind Koranverbrennung auch aus theologischer Sicht recht schlimme Verbrechen). Im Christentum beansprucht zwar auch die Bibel Autorität, aber es ist viel mehr christuszentriert. So könnte man sagen, dass der hermeneutische Schlüssel das Entscheidende ist.


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    Altes/Neues Testament hin oder her. Fakt ist, dass dieser Vers existiert. Mir ist egal, wie wer diesen auslegt. Er existiert. Nimm Stellung zu diesem Vers und bezeichne dich dann noch als einen Christen.


    In meiner Funktion als Forumstheologe (krieg ich das als offiziellen Titel? ;)) mach ich das mal:
    Die Frau wird für die Übertretung eines Gesetzes bestraft, was wiederrum als Leben unter der Sünden bewertet wird. Da aber Sünde eine Grundeigenschaft des Menschen in der gottesferne ist, ist jeder sündig. Es gibt keinen Menschen, der nicht unter der Sünde lebt. Einen Menschen zu steinigen, weil er sündig ist, ist also das Gleiche, als würdest du Menschen steinigen, weil sie Menschen sind. Jesus wendet sich hier gegen eine absolut strenge und menschenunwürdige Gesetzesauslegung, die jede Übertretung bestraft unabhängig von den Rahmenbedingungen. Jesus Aufforderung, wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein, ist eine rhetorische, denn es gibt keine Menschen ohne Sünde.


    Dein Problem ist es, dass du ein islamisches Schriftverständnis an das Christentum anlegst. Wie oben schon geschrieben, hat das Christentum ein anderes Schriftverständnis als der Islam. Nur weil in einem antiken Gesetzesbuch steht, muss sich der Christ nicht daran halten. Die meisten der Christen führen auch keine Beschneidung durch, halten die Speisegebote nicht, was prinzipiell darauf zurückzuführen ist, dass sich das Christentum aus dem Rahmen des Judentums gelöst hat. Die meisten Christen sind im Endeffekt Heiden. Und Heiden müssen die Gesetze nicht halten. ;) (Ziemlich verkürzt, ziemlich grob beschrieben, aber im Moment geht es nicht viel besser, ohne in Lehrbücher reinzusehen.)

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    Das hat nichts mit hierarchischen Strukturen zu tun. Ich sehe einfach Unterschiede in den Stärken und Schwächen von Frauen und Männern. Nicht hierarchisch sondern geschlechterspezifisch.


    Aber dahinter stecken dann wieder spezifische Auffassungen, was Mann und was Frau ist und auch zu sein hat.
    Setzt man hier eine liberale Auslegung an, dass es auf individuelle Unterschiede generell Bezug nimmt, dann muss man sich dennoch die Frage gefallen lassen, wieso es hier geschlechterspezifisch formuliert ist und ob es nicht dann doch hierarchisch gemeint ist. Was wäre denn ein Unterschied zwischen Mann und Frau, der dann auch in der Ehe (interessant, dass hier der Bereich Ehe genommen wird und nicht der Bereich des gesellschaftlichen Lebens) eine unterschiedliche Bewertung zulässt?


    Mir macht das wirklich Angst, dass gläubige, und offensichtlich auch gebildete, Muslime im 21. Jahrhundert so etwas als richtig und gut verbreiten.


    Prinzipiell macht es mir Angst, wenn Leute eine geschlechtliche Hierarchie ableiten wollen, die scheinbar aus einem irgendwie gearteten "biologischen" Unterschied abzuleiten sei. Das fängt schon mit solchen Aussagen an:


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    Innerhalb der Ehe sind Frau und Mann bezüglich ihrer Rechte und Pflichten in den Bereichen gleichgestellt, in denen sie von Natur aus gleich sind, Unterschiede gibt es da, wo Verschiedenheiten vorhanden sind.

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    Der Zweck dahinter ist nicht, die Frau zu verletzen oder zu erniedrigen, sondern es ist dazu gedacht, um ihr begreiflich zu machen, dass sie sich gegen die Rechte ihres Mannes vergangen hat, und dass ihr Mann das Recht hat, sie zu berichtigen und sie zu disziplinieren.


    Da würde mich interessieren, ob die Frau das gleiche Recht besitzt. Darf sie also auch den Mann disziplinieren und verbessern, wenn er ihr Recht verletzt?

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    Nur soviel, wer Patriotismus mit Nationalismus gleichsetzt, ganz gleich aus welcher Ecke er stammt ist einfach ungebildet.


    Soweit ich weiß, gibt es keine hinreichende Untescheidung zwischen Nationalismus und Patriotismus. Die Unterscheidungskriterien sind mehr als fragwürdig und die Grenzen verschwimmen in der Realität von beiden Seiten her. Zwar hast du Recht, dass unsere Geschichte nicht nur 12 Jahre Hitler ist, aber Nationalismus bedeutet das auch nicht, sondern mindestens hundert Jahre mehr, und diese hundert Jahre mehr zeichnen kein viel besseres Bild eines Nationalismus/Patriotismus.

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    @Diskussion wie weit das Christentum Deutschlands Politik beeinflusst (hat)
    Ich wollte hier keine Grundsatzdiskussion anstoßen, viel mehr ist es so das ich die Formulierung die Religion des Islam hat politisch nichts bewirkt, unglücklich fand. Oder wollt ihr sagen, das der Einfluss des Christentums auf unsere Politik positiv ist?


    Er ist wie jeder Einfluss erstmal zweischneidig. Er behindert zwar einerseits, aber er setzt auch hier und dort kritische Momente.

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    Geht um die Zeit darum als das Christentum in der Spitze war in der westlichen Welt und der Islam in der Spitze in der östlichen Welt, auch genannt vom Zeitraum her das "dunkle Mittelalter", da sieht man ganz gut welche Religion eher auf Forschung ausgelegt war.


    Auch wenn das stimmt, bringt es uns in der Diskussion nicht weiter. Scheinbar haben sich die Verhältnisse heutzutage umgekehrt und da ist es dann spannend, wieso sie das haben.
    Und so dunkel war das Mittelalter nun auch wieder nicht. Das ist gewissermaßen eine protestantische Geschichtssicht.


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    Dann zu sagen, dass eine Religion politisch nichts bewirkt hat ist ohnehin absolut lächerlich, welche Auswirkungen hatte denn das christentum oder der buddhismus auf unsere Politik?


    Christentum hat mehr Einfluss auf unser politisches Geschehen als man meinen will. Angefangen beim Grundgesetz, welches zwar recht offen, aber immer noch Gott mit reinbringt als wichtigen Indikator. Die Frage nach dem Religionsunterricht (einziges Schulfach, welches im Grundgesetz verankert ist).
    Zudem haben wir haben an der Spitze unseres Staates zwei Menschen, denen man eine gewisse christliche Prägung nicht abstreiten kann. (Und es wurde sogar im Rahmen der Ernennung von Gauck immer wieder erwähnt und problematisiert)
    Staatliche Zuwendungen an die Landeskirchen und das Eintreiben von Kirchensteuern. Im Rahmen der Universität kann der Staat nicht einfach so theologische Professuren streichen.
    Der Vatikan hat einen Berater im Bundestag. Bestimmte Kommissionen haben immer wieder Vertreter von Kirchen dabei.


    Den Blick nach Amerika muss ich wohl nicht machen.


    Zwar kann man in Westeuropa eine gewisse Tendenz der Säkularisierung ausmachen, aber eine gewisse Einflussnahme im Sinne von Beratung und Verpflechtung ist auch heutzutage noch nachzuweisen.

    Geb da Wede recht. Wobei sich das je nach Laufbahn eh recht schnell relativiert. Zudem die Altersspanne zu dem Zeitpunkt nicht soweit auseinander ist, höchstens 1 Jahr.
    Und so eine Umstellung ist es bei dem Umschwung Abitur zur Bundeswehr nicht. Du warst als Schüler nicht der was zu sagen hatte und bist es jetzt erst einmal auch nicht. Problematisch wird das mit der Befehlskette halt nur, wenn du z.B. 12 Jahre beim Bund warst, dort Hauptfeldwebel oder Hauptbootsmann warst und dann zurück in die freie Wirtschaft gehst, wo du wieder als Azubi anfängst und es dort nicht von Bedeutung ist, dass du in Afghanistan, Somalia oder ähnliches warst.
    Oder wenn du nach dem Bund studierst, plötzlich einen jüngeren Dozenten vor dir hast, der dir fachlich dann wieder einiges voraus hast und du mehr oder minder in seiner Hand bist.

    In der Universität hast du keine Vorgesetzten, aber halt im Dienst ganz normal. Trimester stimmt soweit, solange du nicht Medizin studierst, da du dann an einer "normalen" Hochschule bist und Semester hast.


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    wahrscheinlich sind ex-bundeswehrler beliebter bei arbeitgebern weil sie es gewohnt sind sich an eine befehlskette zu halten.


    Würde ich nicht pauschal sagen. Kann auch problematisch sein, wenn du nämlich gewohnt bist in der oberen Hälfte der Befehlskette zu sein und dann in der freien Wirtschaft als Azubi anfängst, ist das erst einmal eine komplette Umstellung (Wenn dann noch hinzukommt, dass plötzlich viel Jüngere dir vorgesetzt sind.)

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    Ja, wie gesagt, es gibt auch Baustellen an denen wir uns bemühen müssen. Ich möchte einer volljährigen, voll zurechnungsfähigen Frau nicht vorschreiben WOLLEN (!) was sie mit ihren Bauch tut oder nicht. Es ist mir auch scheiss egal ob herr Müller Energiesparlampen benutzt oder nicht, es ist mir auch egal ob deine Wohnung Wärme isoliert ist oder nicht, ich will auch niemanden Vorschreiben welchen Wasserhahn er zu benutzen hat und welchen nicht und so weiter und so fort..... Das nennt sich glaube ich Neo Liberal.


    Es geht hier nicht um Vorschreiben, sondern dass Sexualität eben keine reine Privatsache ist, sobald sie nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Würde der SChützenkönig mit einer Frau zum Ball kommen, würde keiner Fragen stellen. Es wäre eben egal, ob sie auf Natursekt oder SM stehen. Kommt der Schützenkönig aber mit einem Mann und stellt ihn als sein Partner vor, dann ist es plötzlich ein Thema, mit wem man Sex hat. Ähnlich bei der katholischen Kirche, die sich dann dafür interessiert mit wem man Sex haben möchte und es dann im Endeffekt nicht darf.


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    Menschen sind NICHT gleich, wir waren das nie und werden es nie sein.


    Im Bezug auf Menschenrechte, heißt Gleichheit aller Menschen, dass alle Menschen gleiche Rechte zusteht. Das ist zwar in der Realität nicht der Fall, da es von Land zu Land Unterschiede gibt, aber jeder Staat und jede Organisation welches sich auf Aufkärung und allgemeine Menschenrechten beruft muss dies anerkennen.
    Und selbst der Papst wird anerkennen, dass jeder Mensch als Gottes Geschöpf einen gewissen Grundstock an Würde oder Wert besitzt. Das geht ja soweit, dass sogar das ungeborene Kind im Mutterleib ein Recht auf Leben zugesprochen wird.


    (Und Menschen sind ähnlicher als man denkt. Sonst würde Medizin, Psychologie und Schule nicht funktionieren.)


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    Es gibt durch aus Gründe für meine große Preußen Begeisterung und auch zu diesen Zeit war die Kirche mächtig aber nicht All mächtig.


    Leider war die protestantische Kirche in ihrer Mehrheit dort auch sehr unkritisch gegenüber dem Staat und ein Hort des antidemokratischen Bürgertums. Die katholische Kirche konnte kritischer sein, da sie nicht so sehr auf die staatliche Obrigkeit angewiesen war (vorallem theologisch), aber diese wurde auch zeitweise bekämpft.

    Newbubble: Ich gebe dir zwar Recht, dass es einen gewissen Unterschied gibt, ob ich nun Leute lynche oder "nur" diskriminiere, aber es bleibt auch beim zweiten Fall die Frage, ob ich mich dann im Einklang mit den Menschenrechte sehen kann. Ich kann nicht einerseits Gleichheit der Menschen propagieren bzw. mich mit den Menschenrechten im Einklang befindend sehen und gleichzeitig Menschen aufgrund ihrer Sexualität diskriminieren. Das ist ein Widerspruch mit dem Satz, dass ALLE Menschen gleich an Rechten geboren sind und diese nicht veräußert werden können. (Mir ist durchaus bewusst, dass damals die Frauen wohl nicht unter den Begriff "Mensch" fielen, aber heutzutage sieht man das ja anders.)


    Und dein Beispiel zeigt eigentlich sehr schön, wie öffentlich das Sexualleben eigentlich ist. Sexualität ist also bei weitem nicht so privat wie man immer denkt.

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    Gut, auch das gelebte Christentum hat viele Gesichter das wollte ich auch nicht abstreiten und die einflussreichsten Gesichter dieser Religion haben sich aber der Zeit angepasst und zwar so weit das man ein säkulares Staatswesen akzeptiert. Religion wurde zur Privat Angelegenheit, genau wie das eigene Sexual leben. Man öffnete sich der Technologie und der Wissenschaft und suchte neue Wege abseits fest geschriebener Dogmen.


    Man kann bestimmt herrlich darüber debattieren, ob das wirklich so ist bei Vertretern des Mainstreams. Gerade im Bezug auf Sexualleben würde ich da widersprechen. Sie können zwar nicht direkt in die säkulare Rechtssprechung eingreifen, aber sie versuchen doch durch Meinungsbildung und auch indirekte Verfahren in politische Entscheidungen einzugreifen. Kann man sehr gut in der Frage nach der Gleichstellung von Homosexuellen sehen. Der Vatikan gibt dann schon Weisung an seine Bischöfe raus, Rechte Homosexueller nicht zu unterstützen, sondern öffentlich dagegen Stellung zu beziehen. Homosexuelle sollen auch nicht mehr Priester werden können (und da geht es nicht um das Ausleben der Homosexualität, sondern um die individuelle Neigung). Von der Kondomfrage schweige ich jetzt mal.
    Und auch in den protestantischen Kirchen, kannst du sehen, dass Sexualität nicht immer Privatsache ist. Homosexuelle Pfarrer_innen dürfen nur in Absprache mit ihrer Gemeinde gemeinsam im Pfarrhaus leben und selbst diese Entscheidung ist kritisiert worden. Von den etwas fundamentalistischeren Bereichen, wo selbst Gemeindemitglieder ausgeschlossen und verteufelt werden, wenn sie sich outen, brauch ich glaub ich nicht anfangen. (Selbst im Theologiestudium kannst du von Studenten Aussagen hören wie: "Ist der nun so richtig böse, wie Adolf Hitler oder so normal böse, wie Schwule.")
    Beim säkularen Staatswesen würde ich dir erstmal beipflichten, auch mit der Einschränkungen, dass es auch dort nicht ganz ohne Gott geht. ;)

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    Ich denke man sollte mal bedenken was genau ausschlaggebender ist, ist die Religion das Kriterium für die Gesellschaft die durch diese geprägt wurde, aufwächst und sich entwickelt. Oder formt die Gesellschaft die an einem Ort lebt (Land, Kontinent, etc..) die Religion durch ihr Verhalten.


    Ich glaube nicht dass eines davon ausschlaggebender ist oder sein darf. Beides bedingt sich gegenseitig. Europa wie es heute ist, ist halt nicht durch einen nicht unerheblichen Teil wegen der christlich-jüdischen Prägung so geworden. Das Christentum in seiner westlichen Prägung aufgrund der Vorkommnisse und der Menschen.
    Christentum in Lateinamerika sieht anders aus als Christentum in Deutschland. Oder man schaue sich nur mal baptistische Gottesdienste in den USA an und baptistische Gottesdienste in Deutschland. Selbst Baptisten sehen dort Unterschiede.
    Oder man sehe sich nur mal Stadtbilder an, in denen manchmal prächtige Kirchenbauten stehen. Sowas prägt halt die Kultur und auch die Gesellschaft (man sehe z.B. den Minarett-Streit, wo viele auch mit dem Argument kamen, dass sowas nicht ins Stadtbild gehört.)



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    (und in meinen Augen dadurch glaubwürdig geblieben ist als die Protestanten weil sie sich viel weniger selbst verleugnet, die Neujahrs Ansprache vom Papst war recht interessant.)


    Kann man bestimmt drüber streiten, vorallem weil wir mit dem jetzigen Papst jemanden auf dem Petrusstuhl sitzen haben, der Veränderungen gar nicht will und viele Dinge auch wieder rückgängig macht. Aber wie gesagt: Darüber kann man streiten, ob sie glaubwürdiger ist, weil sie sich nicht selbst verleugnet (wobei sie Straftaten, die in ihren Mauern passierten und die sie deckte und immer noch deckt, sehr gerne verleugnet)

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    Für mich ist die Religion wie sie in diesem Land (und vielen weiteren praktiziert wird) aber die perfekte Definition der Obrigkeitshörigkeit.
    Ich weiss garnicht wo ich anfangen soll... Wenn ein katholischer Pfarrer über Familie/Kinder/Ehe redet... Ahja... Was qualifiziert ihn ?
    Wird das hinterfragt ? Nein ! Warum ? Weils der Pfarrer ist, eine moralische Instanz die Gewicht hat...
    Warum ? Weils halt schon immer so war. Weil man dem nicht widerspricht.


    Dies ist aber deine persönliche Sichtweise, die bei weitem nicht verallgemeinert werden kann, da sie einerseits auf persönliche Erfahrung geprägt ist und dann auch mit einer bestimmten Art von Religion und Religiosität von Menschen.


    Zur Qualifizierung kann man fragen, was generell Menschen dazu befähigt, über solche Themen zu sprechen. Auch der Priester hat Erfahrung mit Familie und Kinder (er war selber Kind und ist immer noch Teil einer Familie) und auch mit der Ehe, wobei dort eher als Außenstehender, der aber schon Probleme und auch gute Erfahrungen mitbekommt. Er hat zwar seine spezifisch katholische Sichtweise auf die Dinge, aber jeder hat seine spezifische Sichtweise und auch dort gibt es unterschiede, je nachdem welchen Blick man persönlich einnimmt.


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    Dass der erstze Satz lautet "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben" und dann irgendwann später auftaucht "Du sollst nicht töten" macht die Gebote für mich unglaubwürdig hinsichtlich der Moral.


    Da würde mich interessieren, wieso die beiden Sätze im Verbund, die 10 Gebote unglaubwürdig machen.


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    Dass die Menscheit diese Grundregeln vergisst wenn die Religion wegfällt halte ich für äußerst fragwürdig.
    Und neues bringt die Religion ja nicht zustande. Sie ist nichtmal in der Lage sich ein wenig der aktuellen Zeit anzupassen.
    Ich weiss nich wos war, glaub auf ARD in ner Reportage wo ein Imam interviewt wurde.
    Die Kernaussage war "Die Religion kann sich nicht dem Menschen anpassen. Der Mensch muss sich ihr anpassen".
    Das schließt jedes Tor für Veränderung. Darauf kann ich persönlich verzichten.


    Ist meines Erachtens auch zu kurz gesehen, da sie wieder EINE bestimmte Art Religion zu sehen, in den Blick nimmt.
    Die Schriftreligionen stehen immer im Spannungsfeld zwischen Zeitgeist und schriftlichem Kanon. Aber jede Religion hat auch gezeigt, dass sie sich anpassen kann über die Jahre. Selbst die katholische Kirche hat Entwicklungen in theologischen Gedankengänge und sich im Laufe der Zeit immer wieder Begebenheiten angepasst. (Teilweise hat sie das auch besser gemacht als die protestantischen Kirchen.)


    Ich gebe dir aber Recht: Wenn Religion als dasjenige gesehen wird, an dem sich der Mensch anpassen muss und dem er sich ergeben muss, dann ist das schlicht schrecklich und meines Erachtens auch abzulehnen.
    Und gerade was heutige Werte, wie Menschenwürde, Gleichheit, Freiheit oder das was mir Menschenrechte nennen, anbelangt, waren die religiösen Institutionen in Europa eher Blockade als alles andere (auch wenn das von den Institutionen heute gerne anders gesehen wird).
    Im Gegensatz dazu stehen dann religiöse Gruppierungen, die genau diese Grundrechte verteidigt und aufgestellt haben (siehe Bill of Rights oder die Verfassung der USA)


    Wie andere schon gesagt haben, ist Religion wie jedes menschliche Konstrukt eine paradoxe und fragwürdige Angelegenheit.



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    a Religion allerdings auch nicht mehr kann in dieser Hinsicht als Gesetze/Moral/Ethik kann man auch argumentieren, dass Religion zwar nicht schlecht oder kontraproduktiv sondern schlicht überflüssig ist ;)


    Das ist aber wieder Verkürzung der Religion als Anstalt von Moral und Ethik. Religion ist unglaublich vielschichtig und viel mehr als Ethik und Moral bzw. Gruppenbinder. Nimmt man Religion und Religiosität als Phänomen, dann scheint es schon fast menschlich zu sein. Manche sprechen abwertend von "Ersatzreligion Fußball". Ich würde es schon fast gleichstellen, denn das Phänomen Fußball wird von vielen Fans schon sakral aufgeladen.


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    PS: Dies gilt natürlich nicht für jeden Gläubigen. Ich habe weiterhin nichts gegen Gläubige, die ihre Religion hinterfragen und ihr Handeln und ihren Glauben reflektieren und Andersdenkende in Ruhe lassen. Dann ist Religion auch nicht Fehl am Platze in der heutigen Zeit, wenn auch weiterhin mMn fragwürdig, die guten Seiten mal außen vor.


    Das erwarte ich eigentlich von jedem, dass er seine Handlungen und Gedanken reflektieren kann. Und wie ich schon vorher gesagt habe, ist Reflexionslosigkeit kein exklusives Problem von Gläubigen, sondern Problem einer breiten Masse in der Bevölkerung. Da ist es egal ob CDU-Wähler, Kommunist, Nationalist, Jung oder Alt, Student oder Arbeiter. Du findest im jedem Lager eine unglaubliche Masse von unrefklektierten und auch intoleranten Menschen.

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    Entweder ich ordne mich unter und lasse andere bestimmen oder ich mach das selbst und sehe die Sache nüchtern und sachlich, mit meinem eigenen Verstand.


    Dies ist aber kein Problem zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen, sondern zwischen prinzipiell Obrigkeitshörigen und solchen, die eher ihr Denken und ihr Handeln reflektieren. Man findet beide Arten von Leuten unter Gläubigen und unter Atheisten gleichermaßen.