Ich schalte mich da mal ein, habe etwas Erfahrung auf dem Gebiet.
Ist es empfehlenswert zu einer Spiegelreflexkamera zu greifen, wenn man noch nicht viel Ahnung von Photografie an sich hat?
Da muss ich dir direkt einen Zahn ziehen. Diese falsche Vorstellung haben sehr viele "Leien". Die Kamera ist ein Werkzeug. Eine teure Kamera/Objektiv erzeugt nicht automatisch "gute" Bilder. Eine gute Kamera erzeugt vielleicht leichter technisch gute Bilder, aber das ist in der Fotografie zweitrangig. Viel wichtiger ist die Idee und der Bildaufbau.
Man unterstellt einem Maler ja auch nicht, dass seine Bilder gut sind, nur weil er teure Pinsel benutzt hat. Oder ein Koch, weil er teure Töpfe nutzt, ...
Ich kenne Menschen, die bekommen mit "schlechten" Kameras und auch mit dem Handy tolle Bilder hin. Und ich kenne Menschen, die Equipment im fünfstelligen Wert haben, und deren Bilder sind einfach Mist. In der Fotografie ist das wie in jeder anderen Kunstrichtung. Die Technik und die Beherrschung dieser sind nur die Basis, nur der Anfang. Equipment kann man kaufen, Technik kann man (heute sogar kostenlos) lernen. Beides ist relativ einfach. Kreativ zu sein, sehen lernen, das ist nicht mehr ganz so einfach.
Um auf deine Frage zurück zu kommen. Ja, es macht Sinn eine Spiegelreflexkamera zu kaufen, wenn man noch nicht viel Ahnung von Photografie an sich hat. Sofern man sich dann mit dem Thema auseinander setzt, sich bildet und weiter entwickelt. Wenn Du allerdings glaubst, dass wenn Du eine Spiegelreflexkamera besitzt, dass Du dann automatisch ohne was zu tun der Starfotograf wirst, da muss ich dich enttäuschen.
Ich würde mich auch nicht mehr auf Spiegelreflexkameras versteifen. Heutzutage gibt es sehr gute spiegellose Alternativen, die viele Vorteile bieten (später mehr dazu). Ich habe meinen ganzen DSLR-Krempel verkauft, und habe mir ein spiegelloses System zugelegt.
Welche Modelle wären denn ein guter Einstieg?
Das Model ist gar nicht so entscheidend, denn so ziemlich alle aktuellen Modelle erzeugen technisch gute Aufnahmen. Wenn es um Bildqualität geht, dann sind die Objektive wesentlich wichtiger, als die Kamera.
Und wie ist das mit Zubehör, was ist unumgänglich?
Unumgänglich ist gar kein Zubehör. Im Prinzip brauchst Du nur eine Kamera und ein Objektiv, wobei man auch ohne Objektiv Bilder machen kann. Ich empfehle immer Gegenlichtblende (ist fast immer beim Objektiv dabei) und eine Tasche. Alles andere kann dann nach Bedarf folgen.
Das Geniale an Spiegelreflexkameras ist , das man verschiedenste Objektive einsetzen kann...
Wie bereits gesagt, dafür ist keine Spiegelreflexkamera notwendig.
Bei Tag sind Zooms meistens ausreichend und für Anfänger in Ordnung , für Nachtfotografie oder
Sportfotos , wo schnelle Verschlusszeiten erforderlich sind , als auch bei Makroaufnahmen
die sowieso eher lichtschwach sind , würde ich eher Festbrennweiten empfehlen .
Entscheidung zwischen Zoom oder Festbrennweite hängt in der Regel von der gewünschten Flexibilität, Lichtstärke, Bildqualität und vor allem Vorliebe ab. In der Regel ist bei Zooms bei Lichtstärke f/2.8 schluss. Es gibt bisher ein Zoom, welches durchgehend f/1.8 bietet. Bei (den üblichen) Festbrennweiten geht es bis f/1.2.
Festbrennweiten bieten in der Regel bessere Bildqualität, weil sie eben keine variable Brennweite haben. Bei Zooms müssen die Ingenieure immer Kompromisse eingehen. Das macht sich vor allem bei den sogenannten Reisezooms bemerkbar, weil diese meistens den Bereich von Weitwinkel bis zu extremen Tele. Beide bereiche stellen Ingenieure vor besondere Herausforderungen. Und diese unter einen Hut zu bringen ist nicht möglich.
Zooms sind flexibler, machen aber auch faul. Mit Zooms kann man Entfernungen überbrücken. Man muss sich aber auch bewusst machen, dass sich sich dadurch die Bildwirkung ändert. Das liegt nicht an der zurückgelegten Entfernung, sondern daran, dass je mehr man in den Telebereich kommt, desto mehr wird der Hintergrund komprimiert. Man kann ein Motiv mit einem Weitwinkel- und einem Teleobjektiv gleich groß fotografieren, in dem man nah oder weiter weg vor dem Motiv steht. Der Unterschied ist dann die Menge an Hintergrund, die man auf dem Bild hat.
Ich persönlich nutze lieber Festbrennweiten und würde sie auch jedem Anfänger empfehlen. Am Anfang reichen da auch ein bis zwei Objektive. Der Vorteil ist, dass man sich mit Festbrennweiten mehr auf das, was man fotografieren möchte, konzentriert. Auch der Bildaufbau fällt da leichter. Dafür muss man aber den Fußzoom nutzen.
Manuelles Fotagrafieren ist auch ein Vorteil dabei , sei es in der Wahl der richtigen Blende ,
um möglichst viel Tiefenschärfe herauszukratzen und extreme Langzeitaufnahmen ,
wo man richtige Kunstwerke schaffen kann .
Da kommen wir in den Bereich, was Kunst ist. Anfangs habe ich ja geschrieben, dass das Equipment zweitrangig ist, und Kreativität wichtig ist. Doch wenn man Kunstwerke machen möchte, reicht auch das nicht aus.
Beispiel: Geh mal zu Ikea und dort in die Bilder-Abteilung. Dort findest Du viele technisch gute und teilweise kreative Bilder. Das ist Deko. Deko ist aber nicht (immer) gleich Kunst. Zu Kunst gehört ein Konzept und es sollte immer etwas vom Fotografen widerspiegeln (Meinung, Gefühl, ...). Aber dafür muss man auch etwas zu sagen haben. Viele Hobby-Fotografen haben aber nichts zu sagen und fotografieren um der Fotografie willen, und nicht um sich damit auszudrücken.
Würde eine günstige Amateur-Kamera von Nikon oder Canon wählen ,
am besten im Bundle mit einem Zoomobjektiv , Brennweite 55-250, Lichtstärke
4-5,6 .
Das würde ich nicht empfehlen. Ein Tele mit dieser Anfangsblende ist nur bei Sonnenschein zu gebrauchen. Für alles andere wird schon ein Stativ notwendig. Ist auch für die von dir genannten Zwecke (Landschaft, Sonnenuntergang, die Freundin) nicht notwendig.
Zumal man so ein Zeug nur schlecht wieder verkauft bekommt. Das ist im Prinzip wie mit z.B. Rollerblades vom Aldi. Viele kaufen so etwas für den Anfang, wenn sie sich nicht sicher sind. Aber wer billig kauft, kauft zwei mal. Warum? Ganz einfach. Diese Dinger machen einfach keinen Spaß, weil die Qualität Mist ist. Entweder man gibt damit schnell auf, oder man kommt schnell zu dem Schluss, dass man doch etwas wertigeres kaufen muss, um wirklich Spaß zu haben. DIe DInger von Aldi landen dann irgendwo auf dem Dachboden, weil die einem keiner mehr abkauft.
Lieber etwas sparen, und mit wenig, dafür gutem Equipment anfangen.
Ich kaufe mein Equipment seit längerem überwiegend nur noch gebraucht und nicht das Aktuellste. Da kann einiges sparen.
Das Verschwimmen im Hintergrund passiert automatisch , es kommt immer darauf an , auf welchen Punkt du das
Objektiv fokusierst ! 
Sorry, das ist schlechtweg falsch.
Ob der Hintergrund verschwimmt hängt vom Zusammenspiel folgender Faktoren ab: Größe des Aufnahmemediums (bei digitalen Kameras der Sensor), Brennweite, gewählter Blende, Abstand von der Kamera zum Motiv und Abstand des Hintergrunds zum Motiv.
Es passiert nicht automatisch, dass der Hintergrund verschwimmt. Man kann mit der gleichen Kamera, dem gleichen Objektiv und dem gleichen Motiv den Hintergrund verschieden stark verschwimmen lassen. Wie gesagt, wie stark oder schwach der Effekt ist, hängt von den Faktoren meiner Aufzählung ab.
Übrigens nennt man den verschwommenen Hintergrund "bokeh".
Ja was der Geldbeutel hergibt ist immer so ne Sache, da es immer wieder Dinge gibt die man gerne hätte, aber ich dachte an so 250-300€. Kein Plan wie realistisch das ganze ist, 400€ wäre meine absolute Schmerzgrenze, da hätte ich dann allerdings schon gerne alles dabei was ich für den Anfang brauche
Wie schon angedeutet ist Fotografie ein teures Hobby. Mit dem Budget wird es sehr schwer. Mein Tipp von oben: Lieber am Anfang weniger, dafür gut. Und dann nach und nach aufrüsten.
So, jetzt komme ich zu DSLR vs. Mirrorles:
Meine erste ernsthafte Kamera war eine Nikon D90. Dazu hatte ich mir nach und nach einen Objektivpark zusammengekauft, bei dem einige Objektive die 1000 € Grenze deutlich überschritten haben. Ich hatte z.B. das Nikkor 70-200 mm f/2.8. Technisch und von der Bildqualität ein tolles Objektiv. Leider aber auch sehr sperrig und schwer. Das war auch der Grund, warum ich es meistens nur dann mitgenommen habe, wenn ich wusste, dass ich es brauchen werde. Irgendwann habe ich es schweren Herzens verkauft, weil ich es aufgrund dieser Faktoren viel zu selten genutzt habe.
Wollte dann irgendwann auf Vollformat upgraden (damals hatte ich die Nikon D600 in der Endauswahl). War schon kurz davor die Kamera zu kaufen. Habe aber noch mal objektiv darüber nachgedacht und mich von meinen "Geek" und "Haben wollen" Gefühlen distanziert. Bin zu dem Schluss gekommen, dass das nicht das ist, was ich brauche.
Was nützt mir ein tolles Objektiv, wenn ich es nie mitnehme, weil es zu groß und zu schwer ist? Und für Vollformat hätte ich noch größere, schwerere und teurere Objektive gebraucht, weil ein größerer Bildkreis belichtet werden muss.
Bin dann auf spiegellose Systeme gekommen und schlussendlich bei Fuji gelandet. Warum habe ich mich dafür entschieden? Nun, spiegllose Systeme bieten zwar einige Nachteile gegenüber DSLRs, aber auch viele Vorteile.
Nachteile:
- Autofokus von DSLRs ist meistens etwas schneller
- Akku hält meistens nicht so lange (egal, nehme ich halt einen Ersatzakku mit)
Vorteile:
- Kameras sind kleiner, leichter und unauffälliger
- Objektive sind kleiner und leichter (kleineres Auflagemaß, weil der Spiegel nicht da ist)
- Kameras sind leiser (kein Spiegelschlag)
- Elektronischer Sucher
Auf den elektronischen Sucher muss ich noch mal zurück kommen, weil sich da die Geister scheiden. Ältere Fotografen, die schon lange SLRs nutzen und nicht offen für Neues sind, rümpfen da oft die Nase. Bei den ersten elektronischen Suchern kann ich die Kritik auch nachvollziehen, aber mittlerweile ist die Kritik nicht mehr angebracht. Warum?
Nun, bei einer SLR wird das durch das Objektiv einfallende Licht durch den Spiegel über ein Prisma in den Sucher gelenkt. Somit sieht man genau das, was man durchs Objektiv sehen würde, wäre die Kamera nicht da. Das ist schon mal ganz nett. Verstellt man die Aufnahmeparameter, wie Verschlusszeit oder ISO, bleibt das Bild im Sucher gleich, d.h., man sieht die Auswirkung der eingestellten Parameter erst, wenn man das Bild gemacht hat und es sich auf dem Display oder am Monitor anschaut.
Bei elektronischen Suchern gibt es keinen Spiegel, das Licht, das durch das Objektiv fällt, fällt direkt auf den Sensor, der wiederum ein Bild daraus generiert, welches mir im Sucher oder auf dem Display sichtbar gemacht wird. Verstelle ich nun die oben genannten Parameter, sehe ich die Auswirkung sofort im Sucher/auf dem Display noch bevor ich das Bild gemacht habe. Eine WYSIWYG-Funktion quasi.
Bei den meisten spiegellosen Kameras kann man noch so etwas wie Filmsimulationen einschalten. Ich nutze das z.B. für Schwarzweiss-Fotografie. Durch die WYSIWYG-Funktion sehe ich das Bild in Schwarzweiss schon im Sucher bevor ich das Bild gemacht habe. Ich fotografiere in der Regel in JPG+RAW. Das JPG ist dann in diesem Falle Schwarzweiss, das RAW natürlich in Farbe. Selbst wenn ich das JPG nicht nutzen möchte und die Schwarzweiss-Umwandlung am PC mache, kann ich schon vor Ort sehr gut beurteilen, ob das Bild in Schwarzweiss überhaupt wirkt.
Hinzu kommen noch so nette Helferlein wie künstlicher Horizont oder Fokkussierhilfen fürs manuelle Fokussieren (Lupenansicht, Fokuspeaking, ...). Man kann sich günstig Adapter kaufen und alte aber gute Objektive für wenig Geld nutzen (natürlich mit manuellem Fokus). Auch für Makros ist so etwas saugut, da man bei Makros eh manuell fokussiert, und man mit diesen Helferlein viel einfacher und schneller zum Ziel kommt.
Mein konkreter Tipp:
Eine gebrauchte Fuji X-E1 (war meine erste spiegellose Kamera) und dazu das gebrauchte Fuji XF 35mm F/1.4 (mein erstes Objektiv für spiegllose Kameras). Wird deinen finanziellen Rahmen etwas sprengen, dafür hast Du das derzeit beste Verhältnis aus Nutzen und Kosten. Du bekommst kein besseres System für weniger Geld. Alternativ, wenn es ein Zoom sein muss, dann das Fuji XF 18-55mm. Ist ein hervorragendes Objektiv für den Anfang.
Wenn man es noch günstiger haben möchte und auf Autofokus verzichten kann, dann die X-E1, dazu ein Adapter und ein altes, gutes, manuelles Objektiv (am besten eine Festbrennweite).
Der Hauptnachteil der X-E1 ist der relativ langsame Autofokus. Aber die oben genannten Motive laufen für gewöhnlich nicht weg. In der Regel ist der AF der X-E1 ausreichend.
Ich habe mittlerweile die Fuji X100s für immer dabei. Die Kamera ist unauffällig, lautlos, leicht und bringt trotzdem tolle Bildqualität. Die nehme ich auch mit ins gehobene Restaurant und niemand stört sich daran. Auch Menschen schreckt es nicht so ab, wenn man sie mit so kleinen Kameras fotografiert, statt mit einer großen SLR.
Wenn ich ernsthafter fotografieren möchte, oder Wechselobjektive brauche, nutze ich meine X-T1. Das ist ein Biest. Sucher große wie ein Panormamafenster, komplett per Handy steuerbar (inkl. Live-Bild Übertragung), lautlos, leicht und kompakt, usw. Da kommen die meisten, auch Profi-DSLRs, nicht mit.
Schau dich in meinem Blog um, da habe ich einiges zu dem Thema und Fotografie allgemein geschrieben. Beim Flickr-Account kannst Du dir natürlich auch anschauen. Beides findest Du in meiner Signatur.