Zitat
Original von helium
Das würde hier eindeutig den Rahmen sprengen, aber wer sich ein paar Stunden mit dem Zinssystem und dem Begriff "umlaufgesichertes Geld" auseinandersetzt wird einiges in einem anderen Licht sehen.
Du sprichst von Silvio Gesell, nicht wahr?
Ein sehr weiter Bogen wie Du selbst bemerkst, aber ein interessanter Denkansatz, wie ich finde.
Gesell gilt jedoch (leider) unter Ökonomen nichts, weil er selbst keinen akademischen Grad hatte, sondern seine Theorien alleine auf Beobachtungen und autodidaktisches Lernen stüzte.
Dennoch ist nicht zu leugnen,
- dass sich mit Sicherheit eine Reihe von etablierten Ökonomen seiner Ideen "bedient" haben (Keynes),
- dass einige seiner Thesen später zutrafen bzw. seine Modelle in der Praxis Erfolg hatten
- dass die von ihm beschriebenen ökonomischen Probleme noch heute ungelöst sind
Er lies sich halt von keiner Seite vereinnahmen, war so gesehen weder Kapitalist noch Kommunist, deshalb hat man ihn wohl einfach "vergessen". Er hat so gesehen einen "dritten Weg" aufgezeigt/vorgeschlagen.
Man muss ihn aber auch im historischen Kontext sehen, und da, kritisch betrachtet, spielte das Problem der "Hortung" von Geld eine ganz andere Rolle als heute. Deshalb wäre die Frage, ob sein Freigeld-Konzept heute noch was bringen würde. Andererseits, negative Leitzinsen könnte es ja vielleicht in einigen Jahren durchaus mal geben im EU-Raum, was ja vom Konzept her seinen Ideen nahe kommt.
so, btt: Ich habe von 1988 bis 1994 studiert.
Was hat sich geändert seitdem?
- Bachelors und Masters statt Diplome
- Einführung von Studiengebühren
- Abitur nach 12 statt 13 Jahren
Was ist gleichgeblieben?
- Zulassungsbeschränkungen
- Geldmangel der Universitäten
- Überfüllung der Universitäten
- Zweifel an der Qualität der Lehre
- Auslese (aus x Ersties werden y Absolventen, mit x > 3y)
- Finanzierung des Studiums über BAFöG, Eltern, Kredite, Arbeit oder "Mix"
- Proteste der Studierenden gegen die Verhältnisse
Schlussfolgerung meinerseits:
Nach ein paar Tagen Krawall geht es wieder zur Tagesordnung über und in zwei Jahrzehnten hat sich mMn die Bildungspolitik nicht zum Besseren verändert.
Gute Nacht. 