Zitat
naja, jetz übertreib mal nich, du kannst nicht ernsthaft sagen, dass kurt cobain ein genialer musiker war. oder willst du ihn ernsthaft mit bach, beethoven, liszt, armstrong, herrmann, hendrix etc auf eine stufe stellen?
Also Bach und Beethoven waren vor allem Komponisten, keine Musiker. Die schrieben nur Musik, trugen sie aber in der Regel nicht selbst vor. Je nachdem welches Orchester die Wekte spielt erkennen echte Kenner da auch trotz "Notentreue" Unterschiede - das Orchester sind in dem Fall die Musiker.
Einen Musiker macht nur selten allein seine Kunstfertigkeit am Instrument seiner Wahl unsterblich. Abertausende Musikstudenten können zumindest diesselben Noten in derselben Geschwindigkeit und Betonung spielen wie die Könige der Rock-Geschichte.
Viele der hier genannten Bands sind sicherlich technisch perfekt, aber trotzdem völlig zu Recht medial unbeachtet. In Erinnerung bleibt gerade bei Musik (und anderer Kunst) vor allem das, was uns emotional anspricht. Perfekt Gitarre, bass und Schlagzeug spielen kann auch Guitar Pro 5.0.
Emotionale Ausdrucksfähigkeit ist das was Kurt Cobain unsterblich gemacht hat. Nimmt man sich z.B. den zitierten Text hier und gibt ihn beliebigen Leuten, die gut singen können im Hinblick auf Tonlage, Töne treffen, Töne halten, Modulation - trotzdem hört sich das bei 99% der Sänger garantiert stinklahm an, weil emotional hohl und ohne Substanz. Genauso wie Hendrix Gitarrenspiel sich von Guitar Pro oder einem beliebigen Gitarristen nachgespielt irgendwie aussagelos anhört - einfach weil Hendrix es geschafft hat eine ganze Portion Emotion irgendwie zwischen die Noten zu quetschen. Und genau darin war Kurt Cobain ebenfalls unbeabsichtigt oder nicht ein Großmeister. Egal welches Stück man hört, man hat das Gefühl er ist mit Gitarrenspiel und Gesang voll dabei. Und genau deswegen ist er selbst heute noch bei Leuten, die ansonsten wenig mit Rock anfangen können beliebt - der Trend ist ja schon lange weg, daran kann es nach beinahe 15 Jahren kaum liegen.
Auch die Beatles, Elvis Presley, Frank Sinatra oder Johnny Cash sind gute Beispiele. Die Musik - anständig, aber nix was nicht jeder Depp nachspielen könnte. Der Text - anständig, aber auch keine Erleuchtungen dabei. Das Aussehen - ansehnlich, aber keine Tod-Models. Alle gemeinsam haben sie, dass sie auf unterschiedliche Weise Emotionen bei Ihren Zuhörern geweckt haben.
Ein gutes Beispiel aus heutiger Zeit ist z.B. Marilyn Manson. Die Musik ist ok, aber nix besonders herausragendes. Der Gesang ist - naja, nicht gerade von einem begabten Sänger. Die Texte sind ok, aber ebenfalls keine Offenbarung. Es gibt hundert Bands, die sich genauso schockig oder schlimmer kleiden, die dieselben Texte kreischen und eine ebenso makabere Bühnenshow haben - wieso sind die alle nicht so bekannt? Weil Manson es schafft seine Sache über die emtoionale Schiene zu verkaufen - es hört sich einfach ehrlicher an bei dem was er tut, als die 99 anderen Bands.
Genau da kommt ja auch Tokio Hotel, Alexander Klaws, Schnappi und der Crazy Frog ins Spiel. In der Zielgruppe der 8-16 jährigen Mädchen schaffen die es wie auch immer starke emotionale Wirkungen mit ihrem Mist zu erzeugen - die Folge ist kommerzieller Erfolg, der genau solange anhält, bis die Zielgruppe aus ihrem Altersfenster herausgewachsen ist.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Einen guten Musiker macht dasselbe aus wie einen guten Schauspieler: Er kann Emotionen "senden" - ob die nun wirklich gefühlt sind oder nicht kann keiner ausser dem Musiker selbst sagen. Wobei es fraglich ist, ob irgendjemand der Welt in der Lage ist auf tausenden Konzerten dasselbe zu fühlen...
Wer gute Instrumentbedienung sehen will, sollte die Philarmonie seiner Stadt besuchen. Rock, Punk, Metal, HipHop, Industrial, Pop, Soul, Jazz, Reggae, und und und mit allen Untergruppen dreht sich aber 70% um Emotion und wenn überhaupt 30% um Musik.
In diesem Sinne ist Kurt Kobain sogar vor Bach, Armstrong und Hendrix einzustufen heutzutage.